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Lichen sclerosus et atrophicus

Bei Lichen sclerosus handelt es sich um eine chronische entzündliche Erkrankung, die meistens die genitalen Schleimhäute befällt. Die Ursache ist bis heute unklar, es werden erbliche und immunologische Faktoren in Erwägung gezogen. Wichtig zu wissen ist, dass das Risiko, ein Karzinom der Genitalregion zu erwerben, deutlich erhöht ist.

Diagnose

Es finden sich weißlich glänzende, teils eingerissene, teils eingeblutete Plaque-förmige Herde in der Scheidenregion und manchmal auch im Analbereich. Langwierige Verläufe führen zu Verhärtungen und Gewebsschwund (Atrophien) bis hin zum Verlust der kleinen Schamlippen und einer ausgeprägten Verengung (Stenose) der Scheidenöffnung. Es bestehen meist starke juckende, brennende Beschwerden, die oft nachts noch verstärkt sind. Häufig verschlechtern sich die Beschwerden- beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr.

Der Hautarzt erkennt die Krankheit bei der Untersuchung.

Therapie

Die Behandlung besteht in erster Linie in Kortison-haltigen Cremes im Wechsel mit Juckreiz stillenden Cremes. Ein Versuch mit immunmodulierenden Cremes (Tacrolimus, Pimecrolimus) ist möglich und oft hilfreich. Immer muss dies einhergehen mit konsequenter Pflege und Vermeiden von Reizen jeglicher Art.

Lichen ruber

Eine andere entzündliche mit Juckreiz und Brennen einhergehende Entzündung im Genitalbereich ist der Lichen ruber. Auch hier ist die Ursache ungeklärt, möglicherweise besteht eine Assoziation mit Hepatitis C.  Lichen ruber und der Lichen sclerosus et atrophicus sind oft ähnlich und nur feingeweblich zu unterscheiden. Daher wird die Diagnose häufig durch eine Gewebeprobe gestellt. Möglicherweise besteht auch ein höheres Risiko für die Entstehung von Karzinomen.

Therapie

Die Therapie besteht in Kortison-haltigen Cremes, es kommen auch immunmodulierende Cremes (Tacrolimus, Pimecrolimus) in Frage und bei ausbleibender Besserung eine Reihe von unterschiedlichen Tablettenbehandlungen mit Hydroxichloroquin, Retinoiden und ähnlichen.

Atrophisierende Vulvitis

Eine weitere Erkrankung, die starke genitale Beschwerden verursacht, ist die atrophisierende Vulvitis. Sie betrifft bevorzugt Frauen im Klimakterium, da ein lokaler Östrogenmangel als Hauptursache angenommen wird. Die Beschwerden sind meist wechselnder Juckreiz und Brennen, betont nach dem Geschlechtsverkehr und Wasserlassen. Der Östrogenmangel führt zu einer Störung der Epidermis und in Folge zu einer Störung der bakteriellen Flora in der Scheide, vor allem zum Verlust der Laktobazillen. Das resultiert in Reduktion (Atrophie) der Scheide und gerötete Schleimhäute.

Therapie

Die Therapie ist entsprechend, zunächst ein Versuch mit Östrogen-haltigen Cremes und/oder die Einnahme von Östrogen.

Genitale Tumoren

Andere wichtige Erkrankungen, die sich anfänglich ebenfalls mit Juckreiz und Schmerzen äußern, sind die gutartigen Tumoren und heller Hautkrebs, die in der Scheide und an den Schamlippen entstehen. Meist sind ältere Frauen betroffen. Das Maximum des Vulvakarzinoms liegt im hohen Lebensalter.
Oft zu erkennen an der Entwicklung eines Geschwürs aus einem nicht heilenden Haut- oder Schleimhautdefekts (Ulzerationen), umschriebene entzündliche Plaques und häufig auch Blutungen der Schleimhäute. Die Diagnose wird durch die mikroskopische Analyse einer Gewebeprobe gestellt.

Vulvodynie (s. a. Juckreiz Genital)

Schließlich ist noch die Vulvodynie, ein chronisches Schmerzsyndrom der Scheidenregion zu erwähnen. Hierbei sind alle der bisher angegebenen Erkrankungen als Ursache möglich und daher durch Untersuchungen auszuschließen, um diese Diagnose zu stellen. Sie betrifft junge Mädchen und ältere Patientinnen.

Ursachen & Therapie einer Vulvodynie

Als Ursache kommen noch allgemeine Störungen der Schmerzwahrnehmung, insbesondere Schmerzsyndrome wie Burn out oder Reizdarmsyndrom und Depressionen in Betracht. Ein MRT der Lendenwirbelsäule und des Beckens sollte veranlasst sein um evt. Nervenschäden zu erkennen.
Wichtig sind die langen und meist zu langen Anwendungen von Desinfektionsmitteln, Cremes, Waschlotionen u.ä. anzusehen. Diese Maßnahmen sollten umgehend beendet werden und eine Pflege, die die Hautbarriere wieder herstellt, ist einzuleiten. Häufig helfen Lidocaincremes bei der Schmerzlinderung. Falls systemische Therapien in schweren Fällen notwendig sind, werden in erster Linie Amitriptylin, Carbamazepin oder Pregabalin als Wirkstoffe verschrieben.

Auch bei Männern können Entzündungen im Genitalbereich, oft an der Glans (Eichel) – Balanitis genannt – auftreten. 

Balanitis (Eichelentzündungen)

Entzündungen der Eichel (Balanitis) und der Vorhaut (Balanoposthitis) kommen häufig vor und haben viele Ursachen u.a. Vorhautverengung (Phimose), Infektionen, Irritationen, Allergien, Diabetes, ungeeignete Hygienemaßnahmen. 

An der Eichel und Vorhaut entstehen nässende Rötungen, Erosionen, kleine Wunden, oft auch kleine Blutungen oder weißliche Beläge. Schwellungen der Vorhaut können hinzukommen. 

Diagnose

Klinisches Aussehen, Untersuchungen auf Bakterien, Pilze oder Allergien; Gewebeprobe um Krebsvorstufen rechtzeitig zu erkennen.

Balanoposthitis allergica

Ausgelöst durch Allergene in Körperpflegemitteln, Deodorantien, Kontrazeptiva, Kondomen u.v.a.

Diagnose

Allergie-Testungen

Therapie

Kortison-Creme (kurzfristig), Allergene – Stoffe, die die Allergie auslösen-weglassen!

Akute infektiöse Balanoposthitis (Vorhautentzündung)

Am häufigsten durch Bakterien und Pilze verursacht.

Diagnose

Mikrobiologische Erkennung der Bakterien und Pilze, Bestimmung auf welche Antibiotika diese empfindlich reagieren.

Therapie

Antibiotikahaltige Cremes

Balanoposthitis plasmocellularis (Chronische Eichel- und  Vorhautentzündung)

Es bestehen bräunlich-rötliche, glänzende Flecke an der Oberseite der Eichel und/oder Vorhaut, die nicht erhaben sind. Die Flecke dehnen sich langsam aus. Es besteht kein Juckreiz, allenfalls nur sehr gering. Betroffen sind meist Männer über 50. Die Ursache ist unbekannt, irritierende und immunologische Ursachen werden diskutiert. Eine Infektion und Ansteckung scheint nicht vorhanden zu sein.

Diagnose

Klinisches Aussehen, Gewebeprobe

Therapie

Kortison-Cremes (kurzfristig), immunmodulierende Cremes oder Laser haben Effekte. Allerdings müssen die Therapien nicht selten wiederholt werden. 

Vorsicht!

Eine Krebsvorstufe und eine frühe Form eines hellen Hautkrebses am Penis können zu Anfang auch wie eine chronische Eichel- und Vorhautentzündung aussehen. Später kommen nicht heilende Wunden, Erosionen und Knötchen hinzu. Daher sollten längerfristige Entzündungen am Penis immer untersucht und ihre Ursachen geklärt werden. 

Frühe Hautkrebsformen sind durch Hautoperationen oder Laser  gut zu behandeln.

Juckreiz am Skrotum (Hodensack) – Syndrom des roten Skrotums

Längerfristiger Juckreiz (Prurites) am Skrotum (Hodensack) plagt viele Männer. Die Haut am Skrotum ist sehr dünn und dadurch sehr empfindlich für Irritationen z.B. Feuchtigkeit, Reibungen, Wärme, Allergien. Diese verursachen Juckreiz, was zum Kratzen und Reiben führt. So entsteht das „Syndrom des roten Skrotums“ mit weiteren Missempfindungen. 

Diagnose

Klinisches Bild, Anamnese

Therapie

Milde pflegende und juckreizstillende Cremes, die individuell zusammengestellt werden. Kortison-Crems dürfen nur kurzfristig angewendet werden, ansonsten entstehen Folgeschäden z.B. Verdünnung der an sich schon sehr dünnen Haut, weitere Entzündungen, die zu neuen Missempfindungen führen. 

Condylomata / acuminata (Genitalwarzen/Feigwarzen)

Genitalwarzen werden – wie auch die Warzen an Händen und Füssen – durch humane Papillomviren (HPV) verursacht. Die HPV der WGenitalwarzen werden sexuell übertragen und sind in der Bevölkerung verbreitet.

Klinisches Bild

Genitalwarzen wachsen bevorzugt in feuchtem Milieu, bei Männern meist in der Kranzfurche (Sulcus) der Eichel und auf der Vorhaut, bei Frauen an den Labien (Schamlippen). Anfangs sind es kleine rötliche oder weißliche Knötchen, die allmählich wachsen und in der blumenkohlartig werden, teils zerfallen sie matschig und riechen unangenehm. Auf der äußeren Haut in der Genitalregion (Leisten, Schamregion, Sulcus, Penisschaft) sind sie meist hautfarben und von Haut bedeckt. Sie können ein riesenhaftes Wachstum annehmen (Condylomata gigantea), welche auch bösartig werden können.

Diagnose

Klinisches Aussehen

Therapie

Die Therapie sollte individuell angepasst erfolgen, in Abhängigkeit vom Verlauf und dem Ausmaß der Erkrankung, denn bei Gesunden kann eine spontane Abheilung erfolgen. Es kommen operative Maßnahmen (Elektrokauter, Curettagen, Laser, Kältetherapie) und  Cremes (Grünteeextrakte, Podophyllotoxin, Imiquimod) in Betracht. Letztere verursachen Entzündungen und dadurch werden die Condylome abgestoßen. 

Immungeminderte Patienten sollten behandelt werden – bevorzugt mit operativen Maßnahmen – da eine Spontanheilung nicht wahrscheinlich ist. 

Alle Patienten müssen über die sexuelle Übertragung und eine Partneruntersuchung beraten werden. Empfohlen ist auch eine Untersuchung / ein Hinweis auf weitere sexuell übertragene Infektionen, die eventuell zugleich übertragen wurden, aber wenig Symptome machen. 

Sexually transmitted infections (STI) – Sexuell übertragbare Krankheiten

Sexuell übertragbare Infektionen (STI) umfassen Infektionen, die durch Sex übertragen werden. Dazu gehören Bakterien, Viren, Pilze u.a., die eine Reihe von unterschiedlichen Krankheiten auslösen. Frühe Symptome, die auf eine STI hinweisen, sind: 

Bei Mann und Frau:

genitale Wunden, oft mit hartem Rand

genitale Warzen (s. Condylome)

Bei Frauen:

starker Ausfluß

Schmerzen beim Sex

Bei Männern:

weißlich-gelblicher Ausfluß aus der Harnröhre

Beschwerden beim Wasserlassen

Diese Symptome sollten Sie umgehend zur weiteren Aufklärung zum Arzt führen. 

Gonorrhoe (Tripper)

Gonorrhoe ist eine noch immer häufige STI, die durch Bakterien (Neisseria gonorrhoeae) verursacht wird. Ca. 4-5 Tage nach der Infektion bei sexuellem Kontakt, kommt es zu akuten Entzündungen der infizierten Schleimhäute, die bei Männern zu viel gelblich-grünlichem Ausfluß aus der Harnröhre, Schmerzen beim Wasserlassen, manchmal verbunden mit einer Balanitis (Vorhautentzündung), führen.

Diagnose

Die mikroskopische Untersuchung des Ausflusses zeigt die typischen Bakterien

Therapie

Einmalige Gabe von Antibiotika und Nachkontrollen

Bei Frauen verlaufen die frühen Tripper-Infektionen meist unbemerkt, erst späte Formen äußern sich mit Druckschmerz im Unterbauch und Fieber.

Syphilis (Lues, harter Schanker)

Die Syphilis ist eine schwere, in Stadien verlaufende, chronische STI, die den gesamten Körper befallen und zum Tode führen kann, verursacht durch das Bakterium Treponema pallidum.

Ca 2 Wochen nach der Infektion bei sexuellem Kontakt,  tritt an der Eintrittsstelle (oft an der Eichel oder Vorhaut des Mannes, an den kleinen Schamlippen oder am Muttermund der Frau) ein hartes Knötchen auf, das zerfällt. Daraus entsteht eine derbe, nicht schmerzhafte Wunde. Einige Tage später schwellen die Leistenlymphknoten an. Auch ohne Behandlung heilt die Wunde ab, jedoch die Krankheit schreitet im Körper fort. 

Diagnose

Frühstadium: Mikroskopischer Nachweis der Bakterien in der Flüssigkeit, die aus der Wunde entnommen wird.

Therapie

Penicillin wird einmalig intramuskulär gespritzt.

Ohne Behandlung im frühen Stadium verläuft die Krankheit weiter. 

Spätere Stadien, die Hautausschläge, Läsionen an den Schleimhäuten, Haarausfall oder Nervenschäden zeigen, werden anhand von Antikörpern festgestellt. Die Therapie ist ebenfalls Penicillin.

 

Cave:

Daher sollte bei einer schmerzlosen Wunde an den Schleimhäuten im Genitalbereich, evt. mit Beschwerden in der Leiste, ein Syphilis-Test erfolgen. In diesem frühen Stadium ist Syphilis ohne Folgen heilbar.

Zusammenfassend ist festzuhalten:

Chronische, mehrfach auftretende Beschwerden wie Brennen, Jucken, Schmerzen im Genitalbereich sind sorgfältig zu beobachten. Sie können von einer Entzündung, einer Allergie oder Infektion resultieren, aber auch ungeeignete Therapiemaßnahmen und Tumoren sind manchmal die Ursache. Es existieren eine Reihe von äußerlichen Behandlungsmaßnahmen, Tablettentherapien oder Anleitungen zu Verhaltensmaßnahmen, die gute Effekte zeigen.

Leiden Sie unter unerklärlichem Juckreiz oder Schmerzen im Genitalbereich?
Dann melden Sie sich gern telefonisch zu einem Termin in unserer privatärztlichen Praxis unter: 040 – 18 12 15 140 oder online unter dermatomed@arztzentrum.de