040 - 181215 140 DermatoMed Hamburg • Prof. Dr. Moll • Privatärztliche Praxis für Dermatologie im Facharztzentrum an der Kampnagelfabrik • Jarrestraße 2 • 22303 Hamburg

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Juckreiz und Schmerzen im Genitalbereich

Genitaler Juckreiz ist ein häufiges Problem, meist langwierig, tritt wiederholt auf und mindert die Lebensqualität stark. Junge Mädchen, Frauen im mittleren Alter und Seniorinnen sind gleichermaßen betroffen. Oft wird das Symptom Vulvodynie genannt (s.u.). Die Ursachen sind äußerst vielfältig und umfassen eine Vielzahl von speziellen Hautkrankheiten, Östrogenstörungen, Erkrankungen der Wirbelsäule im Lendenbereich, psychosomatische Erkrankungen und auch Tumorkrankheiten. Daher ist eine sorgfältige Abklärung und zunächst eine genauere Beschreibung der Beschwerden wichtig. Von Bedeutung sind Art und zeitlicher Verlauf der Beschwerden,  Zusammenhänge mit Ereignissen und Medikamenten. Ca. 65 % der Erkrankungen sind entzündlicher Genese (oft Ekzeme), ca. 15 % Hyperplasien und 12 % Infektionen.

Ekzeme

Am häufigsten handelte es sich um chronische, sich wiederholende Ekzeme, ausgelöst durch chronische Irritationen. Häufiges Waschen mit Seifen und Detergenzien, die Anwendung vielfältiger Kosmetika, Duftstoffe, Desinfektionsmittel, Slipeinlagen, Enthaarungscremes, Waxing und vieles andere stellen mögliche Reizfaktoren dar. Weiterhin kommen Sexartikel der verschiedensten Art, am häufigsten Kondome als Ursache von Ekzemen, Juckreiz und Brennen in Betracht. Meistens werden zur Heilung der Beschwerden mikrobielle Cremes eingesetzt, die die Symptomatik langfristig oft verschlechtern, da diese Substanzen die Hautbarriere auf Dauer zerstören. Auch Allergien werden, wenn die Hautbarriere vermindert ist, häufiger ausgelöst, da viel mehr Allergene in die Haut eindringen können. Irritativ spielen auch Stuhl- oder Harninkontinenz eine wichtige Rolle. Ein anderer wichtiger Allergiefaktor bei „Juckreiz genital“ ist die Kleidung, die Unterwäsche und ihre Zusätze z. B. Farbstoffe. Besonders dunkle Farben können häufig Allergien auf Parastoffe auslösen. Ebenso lösen Duftstoffe in feuchten Toilettenpapieren oft Reizungen und Allergien aus. Als andere Ursache der Ekzeme im Genitalbereich kommt die atopische Diathese (Allergieneigung), d.h. die Assoziation mit Heuschnupfen, allergischem Schnupfen oder auch Neurodermitis in Betracht.

Infektionen

Eine andere häufige Ursache des „Juckreiz genital und Schmerzen“ sind Infektionen mit Hefepilzen, meist Candida albicans. Diese induzieren häufig ausgeprägte Entzündungen auch in der Leistenregion mit Juckreiz und Brennen. Die Diagnose wird durch Abstrich und Kultivierung der Pilze nachgewiesen. Es stehen eine Reihe von Cremes gegen diese Pilzinfektionen zur Verfügung, meist zusammen mit Vaginal-Ovula anzuwenden, um die Infektion effektiv zu beseitigen. In ausgeprägteren Fällen kommen auch Tablettenbehandlungen in Betracht. Wichtig ist aber, dass bei rezidivierendem Befall allgemeine Ursachen wie Diabetes, spezielle Hautkrankheiten (s.u.) oder erneute Infektionen erkannt und behandelt werden. Nicht selten erfolgt die Infektion immer wieder durch den Partner. Zusammen mit den Internisten und Gynäkologen im Hause  klären wir die Ursachen und behandeln Sie.

Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris)

Häufigste der speziellen Hautkrankheiten, die Juckreiz, Stechen und Brennen in der Genitalregion auslösen, ist die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris). Für das Vorliegen einer Schuppenflechte ist die scharfe Begrenzung der Herde und ihre Hartnäckigkeit sehr typisch. Die Diagnose dort ist nicht einfach, da die Hautveränderungen untypisch aussehen können. Meist ist eine Gewebeprobe notwendig, insbesondere wenn ansonsten kein Anhalt für eine Schuppenflechte der Körperhaut besteht.
Die Therapie sind optimale Pflegemaßnahmen mit gut verträglichen Cremes, das ist besonders wichtig, um die Barriere der Haut wieder herzustellen. Vorübergehend Kortisoncremes und Vitamin D Analoga als Creme, wobei auch deren Nebenwirkungen, insbesondere von Kortison, bedacht werden müssen.

Lichen sclerosus et atrophicus…

…ist eine weitere spezielle Hautkrankheit, dabei handelt es sich um eine chronische entzündliche Erkrankung, die meistens die genitalen Schleimhäute befällt. Die Ursache ist bis heute unklar, es werden erbliche und immunologische Faktoren in Erwägung gezogen. Wichtig zu wissen ist, dass das Risiko, ein Karzinom der Genitalregion zu erwerben, bei dieser Krankheit deutlich erhöht ist.

Diagnose

Es finden sich weißlich glänzende, teils eingerissene, teils eingeblutete Plaque-förmige Herde in der Scheidenregion und manchmal auch im Analbereich. Langwierige Verläufe führen zu Verhärtungen und Atrophien (Gewebeschwund) bis hin zum Verlust der kleinen Schamlippen und einer ausgeprägten Verengung (Stenose) der Scheidenöffnung. Es bestehen meist stark juckende, brennende Beschwerden, die oft nachts noch verstärkt sind. Häufig verschlechtern sich die Beschwerden des Lichen  beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr. Der Hautarzt erkennt die Krankheit bei der Untersuchung.

Therapie

Die Behandlung besteht in erster Linie in kortisonhaltigen Cremes im Wechsel mit juckreizstillenden Cremes. Ein Versuch mit immunmodulierenden Cremes (Tacrolimus, Pimecrolimus) ist möglich und oft hilfreich. Immer muss dies einhergehen mit konsequenter Pflege und Vermeiden von Reizen jeglicher Art.

Lichen ruber…

…stellt eine andere entzündliche mit Juckreiz und Brennen einhergehende Genitaldermatose dar. Auch hier ist die Ursache ungeklärt, möglicherweise besteht eine Assoziation mit Hepatitis B.  Lichen ruber und Lichen sclerosus et atrophicus sind ähnlich und oft nur feingeweblich zu unterscheiden. Daher wird die Diagnose häufig durch eine Gewebeprobe gestellt. Möglicherweise besteht auch ein höheres Risiko für die Entstehung von Karzinomen.

Therapie

Die Therapie besteht in kortisonhaltigen Cremes, es kommen auch immunmodulierende Cremes (Tacrolimus, Pimecrolimus) in Frage und bei ausbleibender Besserung eine Reihe von unterschiedlichen Tablettenbehandlungen wie z.B. Hydroxichloroquin, Retinoide und ähnliche.

Atrophisierende Vulvitis (Scheidenentzündung)

Eine weitere Erkrankung, die starke genitale Beschwerden verursacht, ist die atrophisierende Vulvitis. Sie betrifft bevorzugt Frauen im Klimakterium, weshalb ein lokaler Östrogenmangel als Hauptursache angenommen wird. Die Beschwerden sind meist wechselnd Juckreiz und Brennen, betont nach dem Geschlechtsverkehr und Wasserlassen. Der Östrogenmangel führt zu einer Störung der Epidermis und in Folge zu einer Störung der bakteriellen Flora in der Scheide, vor allem zum Verlust der Laktobazillen. Das resultiert in Atrophie (Verengung) der Scheide.

Therapie

Die Therapie ist zunächst ein Versuch mit östrogenhaltigen Cremes und dann auch die Einnahme von Östrogenen.

Genitale Tumoren

Andere wichtige Erkrankungen, die sich anfänglich ebenfalls mit Juckreiz und Schmerzen äußern, sind gutartige Tumoren und heller Hautkrebs, die in der Scheide und an den Schamlippen entstehen. Meist sind ältere Frauen betroffen. Die Tumoren sind oft zu erkennen an der Entwicklung eines Geschwürs aus einer nicht heilenden Haut- oder Schleimhautwunde (Ulzerationen), oder häufig weisen Blutungen der Schleimhäute darauf hin. Die Diagnose wird durch eine Gewebeprobe gestellt.

Fazit: Blutungen in der Genitalrelgion sollten Sie zum Hautarzt führen.

Vulvodynie

Schließlich ist noch die Vulvodynie, ein chronisches Schmerzsyndrom der Scheidenregion zu erwähnen. Hierbei sind alle der bisher angegebenen Erkrankungen als Ursache möglich und daher durch Untersuchungen auszuschließen, um diese Diagnose zu stellen. Sie betrifft junge Mädchen und ältere Patientinnen.

Ursachen

Als Ursache kommen – wenn keine Krankheit diagnostiziert wurde – zusätzlich auch allgemeine Störungen der Schmerzwahrnehmung, insbesondere Schmerzsyndrome wie Burn out, Reizdarmsyndrom und Depressionen in Betracht. Ein MRT der Lendenwirbelsäule und des Beckens sollte veranlasst werden. Wichtig als Ursachen sind die langen und meist zu langen Anwendungen von Desinfektionsmitteln, Cremes, Waschlotionen u.ä. Diese Maßnahmen sollten umgehend beendet werden und eine Pflege, die die Hautbarriere wiederherstellt, ist einzuleiten. Häufig helfen Lidocaincremes bei der Schmerzlinderung. Falls systemische Therapien in schweren Fällen notwendig sind, werden in erster Linie Amitriptylin, Carbamazepin oder Pregabalin als Wirkstoffe verschrieben.

Zusammenfassend ist festzuhalten:
Chronische, mehrfach auftretende Beschwerden wie Brennen, Jucken, Schmerzen im Genitalbereich sind sorgfältig zu beobachten. Sie können von einer Entzündung, einer Allergie oder Infektion resultieren, aber auch ungeeignete Therapiemaßnahmen und Tumoren sind manchmal die Ursache. Es existieren eine Reihe von äußerlichen Behandlungsmaßnahmen, Tablettentherapien oder Anleitungen zu Verhaltensmaßnahmen, die gute Effekte zeigen.

Leiden Sie unter unerklärlichem Juckreiz im Genitalbereich? Dann melden Sie sich gern telefonisch zu einem Termin in unserer Praxis für Privatpatienten und Selbstzahler unter: (040) 181215  140 oder online: dermatomed@arztzentrum.de