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Juckreiz und Schmerzen im Genitalbereich

Genitaler Juckreiz ist ein häufiges Problem, meist langwierig, tritt wiederholt auf und mindert die Lebensqualität stark. Junge Mädchen, Frauen im mittleren Alter und Seniorinnen sind gleichermaßen betroffen. Oft wird das Symptom Vulvodynie genannt (s.u.). Die Ursachen sind äußerst vielfältig und umfassen eine Vielzahl von speziellen Hautkrankheiten, Östrogenstörungen, Erkrankungen der Wirbelsäule im Lendenbereich, psychosomatische Erkrankungen und auch Tumorkrankheiten. Daher ist eine sorgfältige Abklärung und zunächst eine genauere Beschreibung der Beschwerden wichtig. Von Bedeutung sind Art und zeitlicher Verlauf der Beschwerden, Zusammenhänge mit Ereignissen und Medikamenten. Ca. 65 % der Erkrankungen sind entzündlicher Genese (oft Ekzeme), ca. 15 % Hyperplasien und 12 % Infektionen.

Ekzeme

Am häufigsten handelte es sich um chronische, sich wiederholende Ekzeme, ausgelöst durch chronische Irritationen. Häufiges Waschen mit Seifen und Detergenzien, die Anwendung vielfältiger Kosmetika, Duftstoffe, Desinfektionsmittel, Slipeinlagen, Enthaarungscremes, Waxing und vieles andere stellen mögliche Reizfaktoren dar. Weiterhin kommen Sexartikel der verschiedensten Art, am häufigsten Kondome als Ursache von Ekzemen, Juckreiz und Brennen in Betracht. Meistens werden zur Heilung der Beschwerden antimikrobielle Cremes eingesetzt, die die Symptomatik langfristig oft verschlechtern, da diese Substanzen die Hautbarriere auf Dauer zerstören. Auch Allergien werden, wenn die Hautbarriere beschädigt ist, häufiger ausgelöst, da viel mehr Allergene in die Haut eindringen können. Reizauslösend (irritativ) spielen auch Stuhl- oder Harninkontinenz eine wichtige Rolle.

Ein anderer wichtiger Allergiefaktor bei „Juckreiz genital“ ist die Kleidung, die Unterwäsche und ihre Zusätze z. B. Farbstoffe. Besonders dunkle Farben können häufig Allergien auslösen, ebenso Duftstoffe in feuchten Toilettenpapieren. Als andere Ursache der Ekzeme im Genitalbereich kommt die atopische Diathese (Allergieneigung), d.h. die Assoziation mit Heuschnupfen, allergischem Schnupfen oder auch Neurodermitis (atopisches Ekzem) in Betracht.

Infektionen

Eine andere häufige Ursache des „Juckreiz genital und Schmerzen“ sind Infektionen mit Hefepilzen, meist Candida albicans. Diese induzieren häufig ausgeprägte Entzündungen auch in der Leistenregion mit Juckreiz und Brennen. Die Diagnose wird durch Abstrich und Kultivierung der Pilze nachgewiesen. Es stehen eine Reihe von Cremes gegen diese Pilzinfektionen zur Verfügung, meist zusammen mit Vaginal-Ovula anzuwenden, um die Infektion effektiv zu beseitigen. In ausgeprägteren Fällen kommen auch Tablettenbehandlungen in Betracht. Wichtig ist aber, dass bei rezidivierendem Befall allgemeine Ursachen wie Diabetes, spezielle Hautkrankheiten (s.u.) oder erneute Infektionen erkannt und behandelt werden. Nicht selten erfolgt die Infektion immer wieder durch den Partner. Zusammen mit den Internisten und Gynäkologen im Hause  klären wir die Ursachen und behandeln Sie.

Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte)

Häufigste der speziellen Hautkrankheiten, die Juckreiz, Stechen und Brennen in der Genitalregion auslösen, ist die Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris). Für das Vorliegen einer Schuppenflechte ist die scharfe Begrenzung der Herde und ihre Hartnäckigkeit sehr typisch. Die Diagnose im Genitalbereich ist nicht einfach, da die Hautveränderungen untypisch aussehen können. Meist ist eine Gewebeprobe notwendig, insbesondere wenn ansonsten kein Anhalt für eine Schuppenflechte der Körperhaut besteht.
Die Therapie sind optimale Pflegemaßnahmen mit gut verträglichen Cremes, das ist besonders wichtig, um die Barriere der Haut wieder herzustellen. Vorübergehend werden Kortisoncremes und Vitamin-D- Analoga als Creme angewendet, wobei auch deren Nebenwirkungen – insbesondere von Kortison – bedacht werden müssen.

Lichen sclerosus et atrophicus

Bei Lichen sclerosus handelt es sich um eine chronische entzündliche Erkrankung, die meistens die genitalen Schleimhäute befällt. Die Ursache ist bis heute unklar, es werden erbliche und immunologische Faktoren in Erwägung gezogen. Wichtig zu wissen ist, dass das Risiko, ein Karzinom der Genitalregion zu erwerben, erhöht ist.

Diagnose

Es finden sich weißlich glänzende, teils eingerissene, teils eingeblutete Plaque-förmige Herde in der Scheidenregion und manchmal auch im Analbereich. Langwierige Verläufe führen zu Verhärtungen und Gewebsschwund (Atrophien) bis hin zum Verlust der kleinen Schamlippen und einer ausgeprägten Verengung (Stenose) der Scheidenöffnung. Es bestehen meist starke juckende, brennende Beschwerden, die oft nachts noch verstärkt sind. Häufig verschlechtern sich die Beschwerden beim Wasserlassen und Geschlechtsverkehr.

Der Hautarzt erkennt die Krankheit bei der Untersuchung.

Therapie

Die Behandlung besteht in erster Linie in Kortison-haltigen Cremes im Wechsel mit Juckreiz-stillenden Cremes. Ein Versuch mit immunmodulierenden Cremes (Tacrolimus, Pimecrolimus) ist möglich und oft hilfreich. Immer muss dies einhergehen mit konsequenter Pflege und Vermeiden von Reizen jeglicher Art.

Lichen ruber

Eine andere entzündliche mit Juckreiz und Brennen einhergehende Entzündung im Genitalbereich ist der Lichen ruber. Auch hier ist die Ursache ungeklärt, möglicherweise besteht eine Assoziation mit Hepatitis C. Lichen ruber und der Lichen sclerosus et atrophicus sind oft ähnlich und nur feingeweblich zu unterscheiden. Daher wird die Diagnose häufig durch eine Gewebeprobe gestellt. Möglicherweise besteht auch ein höheres Risiko für die Entstehung von Karzinomen.

Therapie

Die Therapie besteht in Kortison-haltigen Cremes, es kommen auch immunmodulierende Cremes (Tacrolimus, Pimecrolimus) in Frage und bei ausbleibender Besserung eine Reihe von unterschiedlichen Tabletten mit Hydroxichloroquin, Retinoiden und ähnlichem.

Atrophisierende Vulvitis

Eine weitere Erkrankung, die starke genitale Beschwerden verursacht, ist die atrophisierende Vulvitis. Sie betrifft bevorzugt Frauen im Klimakterium, daher wird ein  lokaler Östrogenmangel als Hauptursache angenommen. Die Beschwerden sind meist wechselnder Juckreiz und Brennen, betont nach dem Geschlechtsverkehr und Wasserlassen. Der Östrogenmangel führt zu einer Störung der Epidermis und in Folge zu einer Störung der bakteriellen Flora in der Scheide, vor allem zum Verlust der Laktobazillen. Das resultiert in Reduktion (Atrophie) der Scheide und gerötete Schleimhäute.

Therapie

Die Therapie ist entsprechend, zunächst ein Versuch mit Östrogen-haltigen Cremes und/oder die Einnahme von Östrogenen.

Juckreiz am Skrotum (Hodensack) – Syndrom des roten Skrotums

Längerfristiger Juckreiz (Prurites) am Hodensack (Skrotum) plagt viele Männer. Die Haut am Skrotum ist sehr dünn und dadurch sehr empfindlich für Irritationen z.B. Feuchtigkeit, Reibungen, Wärme, Allergien. Diese verursachen Juckreiz, was zum Kratzen und Reiben führt. So entsteht das „Syndrom des roten Skrotums“ mit weiteren Missempfindungen. 

Diagnose

Klinisches Bild, Anamnese

Therapie

Milde pflegende und juckreizstillende Cremes, die individuell zusammengestellt werden. Kortison-Cremes dürfen nur kurzfristig angewendet werden, ansonsten entstehen Folgeschäden z.B. Verdünnung der an sich schon sehr dünnen Haut, weitere Entzündungen, die zu neuen Missempfindungen führen. 

Genitale Tumoren

Andere wichtige Erkrankungen, die sich anfänglich ebenfalls mit Juckreiz und Schmerzen äußern, sind gutartige Tumoren und heller Hautkrebs, die in der Scheide und an den Schamlippen entstehen. Meist sind ältere Frauen betroffen. Die Tumore sind oft an der Entwicklung eines Geschwürs aus einer nicht heilenden Haut- oder Schleimhautwunde (Ulzerationen) zu erkennen, oder häufig weisen Blutungen der Schleimhäute darauf hin. Die Diagnose wird durch eine Gewebeprobe gestellt.

Fazit: Wunden und Blutungen in der Genitalregion sollten Sie zum Hautarzt führen!

Zusammenfassend ist festzuhalten:
Chronische, mehrfach auftretende Beschwerden wie Brennen, Jucken, Schmerzen im Genitalbereich sind sorgfältig zu beobachten. Sie können von einer Entzündung, einer Allergie oder Infektion verursacht sein, aber auch ungeeignete Therapiemaßnahmen und Tumore sind manchmal die Ursache. Es existieren eine Reihe von äußerlichen Behandlungsmaßnahmen, Tablettentherapien oder Anleitungen zu Verhaltensmaßnahmen, die gute Effekte zeigen.

Leiden Sie unter unerklärlichem Juckreiz und Schmerzen  im Genitalbereich? Dann melden Sie sich gern telefonisch zu einem Termin in unserer Praxis für Privatpatienten und Selbstzahler unter: 040 – 18 12 15 140 oder online: dermatomed@arztzentrum.de